SDG Fokusbeitrag 12/21: Gender-Gerechtigkeit

Im Dezember widmen sich unsere Mitglieder dem Themenschwerpunkt Geschlechtergerechtigkeit und präsentieren Kurzbeiträge aus ihrem Tätigkeitsbereich. Gleich reinlesen!

Beitrags-Übersicht:

●  gleich.wandeln (Klimabündnis Niederösterreich)
●  Fischerei im Wandel (WWF)
●  EU Projekt: Empowerment of Older Women (Österreichische Rote Kreuz)
●  Target Gender Equality Programm (Global Compact Network Austria)

Über die SDG-Fokusbeiträge: In monatlichen Themenschwerpunkten werden in Sammelbeiträgen Herausforderungen, Aktivitäten und Projekte unserer Mitglieder zu bestimmten Themen vorgestellt. Alle Informationen dazu hier.

gleich.wandeln: Frauenpower für Klima & SDGs

Klimabündnis Niederösterreich

Klimaschutz und Geschlechtergleichstellung sind für eine nachhaltige Entwicklung dringender denn je.
Die Niederösterreichische Landesinitiative gleich.wandeln verbindet Gleichstellungsfragen mit Klimaschutz-Agenden und zeigt auf, wie Gleichstellung auf lokaler und regionaler Ebene ein Motor für die Umsetzung der globalen Nachhaltigkeitsziele sein kann. „Es gibt unterschiedliche Perspektiven auf die Probleme und auf die Fragen wie wir sie lösen und was uns dabei wichtig ist“ meint Dip.-Ing. Ulrike Röhr von "GenderCC – Women for Climate Justice“. Denn mit einer stärkeren Teilhabe durch Frauen, stärken wir einerseits die Effektivität der Klimaschutzmaßnahmen, und mit gut durchdachen Klimaschutz- und Anpassungsmaßnahmen können Lebensrealitäten vieler Frauen verbessert werden.

gleich.wandeln bietet Gemeinden, Unternehmen, Bildungseinrichtungen und privaten Initiativen Grundlagen für eine lebendige Auseinandersetzung und Entwicklungsperspektiven für geschlechtergerechten Klimaschutz und macht Leuchtturmbeispiele sichtbar. Diese werden im Laufe des Jahres 2022 präsentiert. Mit Blogbeiträgen können Sie sich dem Thema annähern, die Statements von Expert:innen können Sie dazu motivieren sich weiter mit dem Thema zu beschäftigen und eine Illustration zeigt die große Bandbreite an Themen auf, die für eine genderbewusste Klimapolitik bedeutend sind. Für Hintergrundinformationen und eine Vertiefung in die Materie wurde eine Link-Sammlung angelegt. Mit den Lehrer*innen-Seminaren und SDG-Stadtspaziergängen ist gleich.wandeln auch in der schulischen Bildungsarbeit vertreten.

gleich.wandeln ist eine Initiative des Landes Niederösterreich, Klimabündnis Niederösterreich, FAIRTRADE Österreich und Südwind Niederösterreich und wird durch die Austrian Development Agency (ADA) aus Mitteln der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit gefördert.
 

Weitere Informationen:

Fischerei im Wandel - unsichtbare Frauen in einem alten Handwerk

WWF

Anna Maria, auch "die Braut des Meeres" genannt, wurde in eine Fischerfamilie hineingeboren. Ab ihrem 4. Lebensjahr begleitete sie Ihren Vater aufs Meer. Doch erst mit 30 Jahren, als die Gesetze zur Geschlechtergleichstellung in Italien verabschiedet wurden, konnte sie eine Fischerlizenz beantragen und unabhängig arbeiten. Noch heute, 50 Jahre später, ist die Fischerei von Geschlechtergleichstellung weit entfernt.

Frauen fangen weltweit schätzungsweise 3 Millionen Tonnen Meeresfisch und Meeresfrüchte pro Jahr, was einem geschätzten Wert von 5,6 Milliarden Dollar pro Jahr oder etwa 12 % des Wertes aller Fänge der Kleinfischerei entspricht, trotzdem bleiben sie weitgehend unsichtbar und stehen vor verschiedenen Herausforderungen.
 

Am Golf von Gabes in Tunesien arbeiten beispielsweise über 4.000 Frauen unter harten Bedingungen als „pecheuses pied" – sie graben nach Muscheln, die für den europäischen Markt bestimmt sind. Mangelnde Bildung und Anerkennung führten zu einer ungerechten Entlohnung. Maßgeschneiderte Schulungen und Entwicklungsinitiativen haben aber die Arbeitsbedingungen sowie den Lebensstandard in der gesamten Gemeinde verbessert.

Viele Frauen im Fischereisektor arbeiten zudem in Funktionen ohne rechtlichen Status oder Bezahlung. Viele männliche Fischer können jedoch nur fischen, weil sie von Frauen unterstützt werden: „Für jeden männlichen Bootsbesitzer gibt es mindestens ein weibliches Familienmitglied, das ihm hilft", erzählt eine Fischerin aus Griechenland.

Im Fischereimanagement neigen Frauen außerdem dazu, Risiken anders einzuschätzen, sind sich Bedürfnissen wie Ernährungssicherheit und familiäres Wohlergehen bewusster und sie brauchen wie Männer auch, eine angemessene Ausbildung. Deshalb ist die Geschlechtergleichstellung nicht nur in wirtschaftlicher, und sozialer, sondern auch in ökologischer Hinsicht sinnvoll.

Auch bei alternativen Einkommensquellen, wie Aktivitäten mit Tourist:innen und Fischer:innen und in der Verarbeitung zur Vergrößerung der Gewinnspanne können Frauen wichtige Rollen einnehmen. Es ist wichtig, dass sie sich gänzlich anerkannt, offiziell und respektiert am Sektor beteiligen können. „Frauen haben eine umfassendere Sicht auf die Möglichkeiten, die der Fischereisektor bietet. Wir Frauen sind offener dafür, Touristen unsere Traditionen näher zu bringen, zu erklären, wie nachhaltig die alten Fischereimethoden waren und wie wir das Meer respektieren können", sagt Antonella Donato, Fischerin in Messina.

Frauen sichtbar machen und SDG 5 umsetzen

Auf globaler Ebene verpflichtet SDG5 die internationale Gemeinschaft, „die Geschlechtergleichstellung umzusetzen und die Rechte aller Frauen und Mädchen zu stärken" – ein Ziel, das auch im Kontext der Fischerei umgesetzt werden muss. 

Das erste Hindernis zur Umsetzung ist ein Mangel an Daten – insbesondere fehlen nach Geschlechtern aufgeschlüsselte Daten der Frauenbeteiligung. Geringe Anerkennung der Frauen in der Fischerei führt dazu, dass Frauen bei Erhebungen oft gar nicht erst mitgezählt werden und keine Möglichkeit haben, sich selbst zu vertreten. Ihre Entlohnung ist üblicherweise niedriger, und ihre Karrieren stoßen oft an eine gläserne Decke.

Die Rolle der Frauen in der Fischerei – von vor dem Fang bis zum Endverkauf – muss daher ermittelt, dokumentiert und anerkannt werden, denn sichere Arbeitsbedingungen und gleicher Lohn für gleiche Arbeit sind unerlässlich. Auch müssen Frauen die gleichen Zugangsmöglichkeiten zu Entscheidungsprozessen haben wie Männer.

Der WWF koordiniert die größte Initiative zur Transformation der handwerklichen Fischerei im Mittelmeer. Letztendlich soll erreicht werden, dass alle unter gleichen Bedingungen für gleiche Entlohnung zusammenarbeiten. 
Mehr Info hier 

EU Projekt: Empowerment of Older Women: Preventing Violence by Challenging Social Norms in Serbia and Austria (Sept. 2019 – Nov. 2021)

Österreichische Rote Kreuz

Ein EU-Projekt des Österreichischen Roten Kreuzes zusammen mit dem Roten Kreuz von Serbien und dem Institut für Konfliktforschung setzt sich gegen Gewalt an ältere Frauen ein und leistet damit einen Beitrag zum Entwicklungsziel 5 „Geschlechtergleichstellung“. Denn wie Studien belegen, erlebt jede vierte ältere Frau in Privathaushalten eine Form von Gewalt und Missbrauch, wobei die Hälfte der Be-troffenen den Missbrauch nicht melden. Zudem ist Gewalt gegen ältere Frauen, nach wie vor, ein gesellschaftliches Tabuthema, sodass sie oft unentdeckt bleibt, obgleich dieses Phänomen durch die COVID-19 Pandemie stark angestiegen ist. 

Das EU-Projekt ermöglicht es einen Schritt in Richtung Bewusstseinsbildung über problematische sozia-le Normen in Österreich und Serbien zu setzen und das Empowerment von älteren Frauen in den Fokus zu rücken.
 

So konnte im Rahmen des Projektes ein Forschungsbericht durch Mitwirkung von 157 Frauen aus drei Generationen und daraus resultierende Handlungsempfehlungen für Österreich und Serbien erarbeitet werden. In Anlehnung an diesen Bericht und mit der Absicht die Serviceleistungen der Rotkreuz-Gesellschaften besser an die Bedürfnisse von älteren Frauen anzupassen, wurden über 3.000 Rotkreuz Mitarbeiter:innen und Freiwillige, 209 Pflege- und Betreuungskräfte, sowie 20 Sozialarbeiter:innen auf Gewalt gegen ältere Frauen sensibilisiert und geschult

Um das Bewusstsein und Wissen von älteren Frauen selbst in Bezug auf ihre Rechte und Formen von Gewalt zu schärfen und sie über Serviceeinrichtungen zu informieren, wurden Info-Workshops für 118 ältere Frauen in Österreich und 225 ältere Frauen in Serbien organisiert und abgehalten. Dazu wurde auch leicht verständliches Informationsmaterial für ältere Frauen entwickelt und verteilt. Die Info-Workshops waren vor allem in Serbien sehr beliebt, denn wie eine Teilnehmerin berichtet: „Es sollte mehr Angebote wie diese geben, da Gewalt sichtbar sein sollte.“

Begleitet wurden die Projektaktivitäten von Kampagnenelementen, um auch die Öffentlichkeit auf das Thema Gewalt gegen ältere Frauen zu sensibilisieren. In Österreich wurde eine Social-media Kampagne entwickelt und via Foto-, Video- und Audioposts über Facebook ausgestrahlt. In Serbien wurde die Kampagne„Open Your Eyes“ durch ein globales Event und der Eröffnung einer Fotoausstellung in der Fußgängerzone Belgrads gestartet und über soziale Netzwerke verbreitet. Zudem wurde auf das Thema über eine Plakatkampagne in 20 Bussen in 5 Städten und diversen Postämtern in 11 Städten Serbiens aufmerksam gemacht.

Abschließend konnten im Rahmen einer high-level Konferenz in Belgrad weitere bestehende Heraus-forderungen für ältere Frauen mit Gewalterfahrung thematisiert werden, die bereits in erste Planungen für ein Folgeprojekt einfließen konnten, um dem Entwicklungsziel 5 weiter entgegenzuarbeiten. 

Target Gender Equality Programm

Global Compact Network Austria

Das Global Compact Network Austria unterstützt mit dem Programm Target Gender Equality seine Teilnehmerorganisationen dabei die Gleichstellung der Geschlechter voranzutreiben und vor allem die Beteiligung und Führung durch Frauen zu fördern.

Target Gender Equality ist ein Programm zur Beschleunigung der Gleichstellung der Geschlechter für teilnehmende Unternehmen des UN Global Compact. Durch moderierte Leistungsanalysen, Workshops zum capacity building, Peer-to-Peer-Learning und Multi-Stakeholder-Dialoge auf Länderebene werden Unternehmen, die sich dem UN Global Compact angeschlossen haben, dabei unterstützen, ehrgeizige Unternehmensziele für die Vertretung und Führung von Frauen festzulegen und zu erreichen, beginnend mit der Vorstands- und Geschäftsleitungsebene.

Teilnehmende Unternehmen werden bei diesem kostenfreien Programm dabei unterstützt ihre Ziele und Maßnahmen hinsichtlich SDG 5 – insbesondere 5.5 und 5.a – ambitioniert und wirkungsvoll zu gestalten. Auf Basis einer Analyse des Status quo anhand des WEPs Tools (Women’s Empowerment Principles Gender Gap Analysis Tool), nehmen die Teilnehmenden seit Herbst 2021 an Workshops, Peer-to-Peer-Learnings und Multi-Stakeholder-Dialogen teil, um ehrgeizige Unternehmensziele für die Vertretung und Führung von Frauen zu setzen und zu erreichen. Diese Workshops werden von Expert:innen aus Österreich begleitet. 

Die Women’s Empowerment Principles (WEPs) wurden 2010 durch UN Global Compact und UN Women veröffentlicht und von mehr als 4000 Unternehmen unterzeichnet. Sie bieten Unternehmen ein ganzheitliches Rahmenwerk zu der Frage, wie die Position von Frauen in der Wirtschaft und der Gesellschaft gestärkt werden kann. Durch das WEPs CEO Statement of Support können Führungskräfte ihre Unterstützung für die Gleichstellung der Geschlechter signalisieren.

Target Gender Equality baut auf die Zielsetzungen der WEPs auf und unterstützt sie, indem Unternehmen Hilfestellung beim Setzen und Erreichen ehrgeiziger Ziele für die Repräsentanz und Führung durch Frauen in Unternehmen erhalten – ein Schlüsselelement der WEPs. Die WEPs bieten Grundlage für Diskussionen und helfen Unternehmen, mit potenziellen Hindernissen und Chancen umzugehen. Die Teilnehmenden werden unter anderem das WEPs Gap-Analyse-Tool nutzen, um ein ganzheitliches Verständnis ihrer Fortschritte bei der Geschlechtergleichstellung zu erlangen und aktuelle Richtlinien und Praktiken zu bewerten. Das Unterzeichnungsverfahren für das WEPs CEO Statement wird durch UN Women verwaltet. 

Unternehmen, die an Target Gender Equality teilnehmen, haben die Möglichkeit, die Umsetzung der Women’s Empowerment Principles zu vertiefen und ihren Beitrag zum SDG 5.5 zu stärken, das eine gleichberechtigte Vertretung, Beteiligung und Führung von Frauen in der Wirtschaft weltweit fordert. Die Unternehmen werden mit den neuesten Daten und Forschungsergebnissen ausgestattet, die den Business Case für die Gleichstellung der Geschlechter unterstützen, und erhalten Einblicke von UN-Partnern und Experten, wie sie den Fortschritt bei der Gleichstellung der Geschlechter beschleunigen können.
 

Weitere Informationen: 

Sie lasen einen Blogbeitrag einer oder mehrerer Mitgliedsorganisationen von SDG Watch Austria. Die darin enthaltenen Meinungen sind keine Positionen von SDG Watch Austria oder von ÖKOBÜRO als Medieninhaber.